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Koronare Herzerkrankung

Etwa 40% aller Todesfälle in Österreich sind auf eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems zurückzuführen. Ein relevanter Anteil der Patient*innen leidet dabei an der Koronaren Herzerkrankung (KHK), einer arteriellen Durchblutungsstörung des Herzens, die meist durch Fetteinlagerungen und Verkalkungen der Gefäßwand mit daraus resultierenden Verengungen oder Verschlüssen der Herzkranzarterien verursacht wird.

Die zugrundeliegenden Risikofaktoren sind dabei vor allem Nikotinkonsum, erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte, Diabetes mellitus sowie eine genetische Prädisposition und ein höheres Lebensalter. Auch Patient*innen mit einer chronischen Nierenfunktionsschwäche sind relativ häufig von der KHK betroffen.

Chronisches Koronarsyndrom

Durch die Sauerstoff-Unterversorgung des Herzmuskels entwickeln erkrankte Patient*innen häufig Angina pectoris-Beschwerden (sog. Brustenge, Druckgefühl hinter dem Brustbein), die typischerweise unter Belastung ausgelöst werden und in Ruhe wieder abklingen. Diese „stabile“ Form der Angina pectoris ist dabei grundsätzlich einer medikamentösen Therapie und einer Revaskularisations-Behandlung, z. B. mittels Herzkatheter zugänglich.

(Abb.) Koronare Herzerkrankung mit chronischer Verengung am Hauptstamm der linken Herzkranzarterie.

Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt)

Neben der chronisch fortschreitenden Verlaufsform kann sich die koronare Herzerkrankung auch in einer akuten Verlaufsform manifestieren. Durch Einriss einer verkalkten Plaquestruktur in der Gefäßwand kann es durch Auflagerung von Blutplättchen und anderer Blutbestandteile im Bereich der geschädigten Gefäßinnenhaut zu einer akuten Verstopfung der Blutstrombahn kommen. Der daraus resultierende akute Herzinfarkt stellt eine lebensbedrohliche Situation dar und kann sich symptomatisch verschiedenartig äußern. Während manche Patient*innen die typischen stärksten Schmerzen hinter dem Brustbein mit Schmerzausstrahlung in die Arme oder den Unterkiefer beschreiben, geben andere Patient*innen eher Rücken- oder Bauchschmerzen und ein diffuses Schwächegefühl an. Die Symptomatik variiert je nach Infarktausdehnung, -lokalisation und dem individuellen Schmerzempfinden.

Zur Behandlung sollte hier über die Rettung (Notruf Telefonnummer 144) ein unmittelbarer Transfer ins Krankenhaus erfolgen.

(Abb.) Hinterwandinfarkt mit akutem Verschluss der rechten Herzkranzarterie.

Koronardiagnostik

Die Koronardiagnostik im Herzkatheter ist eine invasive Methode, mit der im Rahmen eines (tages-)stationären Aufenthaltes in unserer Klinik das Vorliegen einer KHK nachgewiesen und interventionell behandelt werden kann. Die Herzkatheteruntersuchung ist eine minimal-invasive und schonende Untersuchung, die lediglich mit einer lokalen Betäubung im Bereich der Zugangsstelle (am Unterarm oder der Leiste) durchgeführt wird. Auf eine Vollnarkose kann im Regelfall komplett verzichtet werden. Auf Wunsch unserer Patient*innen kann jedoch ggf. vor der Untersuchung ein Medikament zur Entspannung verabreicht werden.

(Abb.) Herzkatheterlabor der Univ.-Klinik für Innere Medizin III

Zugangswege

Grundsätzlich können aus anatomischer Sicht alle größeren Arterien im Körper während der Herzkatheteruntersuchung als Zugangsweg zu den Koronararterien des Herzens verwendet werden. Während der bisherige Standardzugangsweg über eine Punktion der Leistenarterie (Arteria femoralis) erfolgte, führt unser aktueller Standardzugang über eine Armarterie (Arteria radialis), um so einen maximalen Patientenkomfort und ein minimiertes Blutungsrisiko zu erreichen.

Die Auswahl des bestgeeigneten Verfahrens sollte im Einzelfall dabei dem/der untersuchenden Kardiologen/Kardiologin überlassen werden, da die Wahl des Zugangsweges vor allem auch von klinischen Begleitumständen und der zu erwartenden Komplexität des Eingriffs abhängig ist. Selbstverständlich werden in unserer Klinik beide Zugangswege standardmäßig angeboten.

(Abb.) Zugangswege bei der Herzkatheter-Untersuchung über Unterarm- (A) oder Leistenarterie (B)

Koronarangiographie

Bei der invasiven Koronardiagnostik erfolgt über einen einliegenden Herzkatheter die Injektion von Röntgenkontrastmittel in die Koronararterien. Unter Röntgendurchleuchtung können so die kontrastierten Gefäßinnenlumina nachgezeichnet, vorliegende Engstellen identifiziert und anschließend ggf. mit einer Ballondehnung bzw. Stentimplantation behandelt werden. Um eine möglichst exakte Darstellung zu ermöglichen bewegt sich dabei die Röntgenröhre der Herzkatheteranlage zwischen den Kontrastmittelinjektionen um den/die auf dem Herzkathetertisch liegende Patient*in.

(Abb.) Koronarangiogramm der rechten (A) und der linken Herzkranzarterie (B)

Messung der Fraktionellen Flussreserve

Neben der Angiographie steht uns in allen Herzkatheterlaboren zur erweiterten Quantifizierung von grenzwertigen Koronararterienverengungen die Möglichkeit einer funktionellen Druckdrahtmessung zur Verfügung. Dieser spezielle diagnostische Draht wird während der Herzkatheteruntersuchung über den liegenden Herzkatheter in das erkrankte Herzkranzgefäß vorgebracht. Anschließend können wir mit diesem Draht einen möglichen Blutdruckabfall im Verlauf der Engstelle im Herzkranzgefäßsystem, und damit ihre hämodynamische Relevanz, mit und auch ohne medikamentöse Provokation (Hyperämie-Induktion) exakt bestimmen und so die diagnostische Genauigkeit der Herzkatheteruntersuchung im Einzelfall nochmals deutlich erhöhen. Dies kann in unklaren Fällen helfen, eine Entscheidung für oder gegen die Notwendigkeit einer Stentimplantation zu treffen.

Intrakoronare Bildgebung

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit während einer Herzkatheteruntersuchung stellt die intrakoronare Bildgebung dar. Durch Vorbringen eines speziellen Bildgebungskatheters über einen zuvor eingelegten konventionellen Koronardraht kann direkt im Bereich des betroffenen Gefäßabschnittes eine Querschnittsdarstellung des Gefäßinnenlumens und der Gefäßwand erfolgen (inkl. der sogenannten virtuellen Histologie).

Uns stehen heute zwei verschiedene Verfahren zur intrakoronaren Bildgebung zur Verfügung: Während der intravaskuläre Ultraschall (IVUS) auf der Detektion von reflektierten Ultraschallwellen basiert, wird bei der optischen Kohärenztomographie (OCT) Infrarotlicht ausgesandt und die von der Gefäßwand zurückgeworfenen Impulse analysiert. Beide Verfahren können während einer normalen Herzkatheteruntersuchung als einfache Ergänzung eingesetzt werden.
 
Neben einer höher auflösenden Darstellung der Gefäßwand kann durch Verwendung der intrakoronaren Bildgebung die Anzahl der Angiographie-Aufnahmen und die damit verbundene Röntgen-Strahlung und Kontrastmittelgabe häufig reduziert werden. Die einfache Handhabung macht die intravaskuläre Bildgebung daneben für eine breitere klinische Anwendung in allen Situationen interessant, in denen die Auflösung der konventionelle angiographische Bildgebung nicht ausreichend ist (Analyse der Gefäßwand, Thrombusnachweis, Stentanalyse nach Implantation u.a.).

(Abb.) Intrakoronare Optische Kohärenztomographie, Darstellung des OCT-Katheters im linkskoronaren Hauptstamm (A), Thrombusnachweis in einer Koronararterie (B), koronare Kalkplaque (C), wandständige Stentstreben intrakoronar (D)

Koronarintervention

Zur interventionellen Versorgung verengter Koronararterien stehen uns neben den klassischen Ballonkathetern (zur Aufdehnung von Verengungen) mehrere aktuelle Stentplatformen (implantierbare Gefäßstützen) zur Verfügung.

Nach Vorbringen eines koronaren Führungsdrahtes über eine Verengung im Herzkranzgefäß können Ballon und Stents über diesen Draht wie auf einer Schiene in die erkrankte Läsion vorgebracht und so die Engstelle beseitigt werden.

(Abb.) Verschlossene Hinterwandarterie (A), intrakoronar einliegender Führungsdraht (B), inflatierter Ballonkatheter (C), rekanalisierte Koronararterie vor Stentimplantation (D), Stentimplantation (E), Stent-versorgte Koronararterie mit beseitigter Engstelle (F)

Stents

Der Standard-Koronarstent besteht heute aus einer medikamenten-freisetzenden Kobalt-Chrom-Metalllegierung (sog. drug-eluting Stent, DES). Die alten unbeschichteten Koronarstents (bare-metal Stents, BMS) finden in unseren Katheterlaboren aufgrund der deutlichen Überlegenheit der DES hinsichtlich des Auftretens von Wiederverengungen keine Verwendung mehr. Im Einzelfall sind in unserer Klinik auch die sogenannten resorbierbaren Koronarstents im Einsatz, die aus einem sich auflösenden Material gefertigt sind und langfristig nach Implantation nur geringe Spuren im Herzkranzgefäßsystem hinterlassen. Aufgrund der noch eingeschränkten wissenschaftlichen Datenlage wird diese Stentplatform nur im Einzelfall und dabei regelhaft im Rahmen wissenschaftlicher Studien eingesetzt.

Komplexe Fälle

Ein Schwerpunkt unserer Abteilung liegt neben der interventionellen Routineversorgung in der Behandlung hoch-komplexer Koronararterienverengungen. Dies betrifft z.B. auch Patient*innen mit koronarer Mehrgefäßerkrankung oder Stenosierung des linkskoronaren Hauptstamms. Ebenso werden Patient*innen, die aufgrund von schweren Begleiterkrankungen einer chirurgischen Bypass-Operation nicht mehr mit vertretbarem Risiko zugeführt werden können, regelmäßig in unserer Abteilung vorgestellt. Die Therapieentscheidung für eine bestmögliche Revaskularisationsstrategie erfolgt dabei in enger Abstimmung mit unseren Kolleg*innen der Univ.-Klinik für Herzchirurgie, so dass wir stets eine optimale Therapieempfehlung für unsere Patient*innen gewährleisten können.

(Abb.) Komplexe Stenosierung des linkskoronaren Hauptstamms und seiner Seitenäste, vor (A) und nach (B) interventioneller Versorgung mit Stentimplantation im Herzkatheterlabor

Spezialverfahren

Zur Behandlung schwerster Verkalkungen der Koronararterien steht uns die koronare Rotablation zur Verfügung. Unter Verwendung eines kleinen Diamantbohrkopfs mit einem Durchmesser von etwa 1,5mm können unter hoher Umdrehungszahl (ca. 160.000 U/min) Kalzifikationen im Herzkranzgefäß-System sehr schonend abgetragen werden.

(Abb.) Diamantbohrkopf in der Vorderwandarterie des Herzens im Rahmen eines Rotablationseingriffs

Daneben verwenden wir in speziellen Fällen von umschriebenen zirkulären Verkalkungen das Verfahren der Lithotripsie. Durch gezielte intrakoronare Abgabe von kleinen Stoßwellen können schwerste Kalzifikationen der Herzkranzgefäße so gezielt gebrochen und einer Stentversorgung erst zugänglich gemacht werden.

(Abb.) Koronarangioplastie einer stark verkalkten Hinterwandarterie. Vor Therapie (A), Lithotripsie-Ballon nach Stoßwellenabgabe (B), nach erfolgreicher Stentimplantation (C)

Herzinfarktversorgung

Zur Akutversorgung von Patient*innen mit einem akuten Herzinfarkt steht uns ein großes Team von etwa zehn sehr erfahrenen interventionellen Kardiologen zur Verfügung – 24 Stunden pro Tag, sieben Tage pro Woche und 365 Tage im Jahr. Unsere Abteilung ist so in der Lage eine exzellente Versorgung akuter Notfälle im Herzkatheterlabor inklusive der anschließenden intensivmedizinischen Nachbetreuung auf unserer kardiologischen Intensivstation zu gewährleisten.

Im Regelfall erfolgt ein Transfer von Notfallpatient*innen über den Notarzt/die Notärztin direkt in unser Herzkatheterlabor bzw. unsere kardiologische Intensivstation, so dass im akuten Herzinfarkt keine wertvolle Zeit bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßsystems verloren geht. Der Verlegungstransport kann dabei Luft- oder Bodengebunden erfolgen. Bei Kreislaufinstabilität stehen uns dabei zudem zwei Schockräume für die akute Stabilisierung vital gefährdeter Patient*innen zur Verfügung.

Aktuell werden pro Jahr etwa 700 Patient*innen mit einem akuten Herzinfarkt erfolgreich in unserer Abteilung versorgt.

(Abb.) Typische EKG-Veränderungen beim akuten Herzinfarkt

Ansprechpartner

Die Univ.-Klinik für Kardiologie und Angiologie dient der Versorgung der Tiroler Bevölkerung und der Gäste in Tirol. Mit unserem breiten Leistungsspektrum in der interventionellen Versorgung sind wir das universitäre kardiologische Zentrum für Westösterreich. Zuweisungen zum elektiven Herzkathetereingriff erfolgen im Regelfall durch den Facharzt/die Fachärztin für Innere Medizin bzw. im Akutfall (Herzinfarkt) über die Notärztin/den Notarzt.

Ausländische Zuweisungen von Patient*innen erhalten wir regelmäßig aus dem süddeutschen Raum und Norditalien (bei elektiven Aufnahmen nach Genehmigung der Kostenübernahme durch die Krankenversicherung).

Sollten Sie Fragen zu unserem vielfältigen interventionellen Therapieangebot haben stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Ihr

Univ.-Prof. Dr. Axel Bauer
Klinikdirektor

Priv.-Doz. Dr. Christoph Brenner
Stellv. Klinikdirektor

 

Kontaktaufnahme

Herzkatheter-Sekretariat

Fr. Gloria Wolf
E-Mail: gloria.wolf@tirol-kliniken.at
Tel: +43 (0)50 504-22790 bzw. -24118
Fax: +43 (0) 50 504-22767
Montag bis Freitag 8:00 bis 15:30 Uhr

Sonderklassepatienten (und Patient*innen aus dem Ausland) - Chefsekretariat

Fr. Daniela Moser-Weißsteiner
E-Mail: daniela.moser-weisssteiner@tirol-kliniken.at
Tel: +43 (0)50 504-25621
Fax: +43 (0) 50 504-25622